Eine Narbe ist mehr als eine Linie auf der Haut
Nach einer Operation, einem Unfall oder einer Geburt heilt das Faszien Gewebe, aber nicht immer so, dass es sich danach wieder frei bewegt. Manche Menschen spüren Zug, Spannung oder ziehende Schmerzen im Faszien Gewebe, selbst wenn die OP Jahre zurückliegt.
Aus osteopathischer Sicht können Narben und Verwachsungen der Faszien dabei eine Rolle spielen.
Was sind Faszien und warum sind sie bei Narben wichtig?
Faszien sind das bindegewebige Netz, das Muskeln, Organe, Nerven und Gefäße umhüllt und miteinander verbindet. Im Normalzustand sind sie elastisch und gleitfähig. So können sich Gewebeschichten bei jeder Bewegung, jedem Atemzug und jeder Verdauungsbewegung gegeneinander verschieben.
Bei einer Verletzung bildet der Körper Narbengewebe. Das ist sinnvoll, denn es verschließt die Wunde. Narbengewebe ist aber meist weniger elastisch als gesundes Gewebe. Wenn es mit umliegenden Schichten verklebt, spricht man von Verwachsungen.
Äußere Narben: was man sehen und tasten kann?
Äußere Narben liegen an der Hautoberfläche, zum Beispiel nach:
-einem Kaiserschnitt
-einer Blinddarm- oder Knie-OP
-Unfällen oder Schnittverletzungen
-einem Dammschnitt oder Dammriss
Osteopathen prüfen dabei, ob die Narbe gut verschieblich ist oder am darunterliegenden Faszien haftet. Eine Narbe kann sich dabei wie ein kleiner Anker verhalten. Der Zug kann sich über die Faszienketten in andere Körperregionen fortsetzen. Deshalb berichten Betroffene teils von Beschwerden an Stellen, die weit von der Narbe entfernt liegen, etwa im unteren Rücken, im Becken oder in der Hüfte.
Innere Verwachsungen: was man nicht sieht
Nach Bauch- und Beckenoperationen können sich Verwachsungen der Faszien im Inneren bilden, etwa zwischen Darmschlingen, der Bauchwand oder den Organen im Becken. Von außen ist davon nichts zu erkennen. Mögliche Auslöser sind Operationen, Entzündungen oder Endometriose.
Betroffene schildern häufig:
ziehende Schmerzen im Bauch, vor allem bei Bewegung
Völlegefühl oder Verdauungsbeschwerden
ein Gefühl von „Enge“ im Bauchraum
Schmerzen im unteren Rücken ohne klare Ursache
Wichtig: Diese Beschwerden haben viele mögliche Ursachen. Neue oder starke Bauchschmerzen sollten immer zuerst ärztlich abgeklärt werden.
Wie arbeitet die Osteopathie mit Narben und Verwachsungen?
Osteopathen arbeiten ausschließlich mit den Händen. Zuerst steht die Untersuchung: Wie beweglich ist die Narbe? Gibt es Spannungen im umliegenden Gewebe? Wie bewegen sich Bauchwand, Becken und Organe?
Danach kommen sanfte manuelle Techniken zum Einsatz. Sie zielen darauf ab, die Gleitfähigkeit der Gewebeschichten zu verbessern und Spannungsketten zu entlasten. Bei äußeren Narben wird die Haut samt Unterhaut vorsichtig mobilisiert.
Bei inneren Verwachsungen arbeiten Osteopathen mit gezielten Griffen am Bauchraum, die Beweglichkeit und Spannung der Strukturen beeinflussen sollen.
Die Behandlung wird in der Regel als angenehm beschrieben.
Wie viele Sitzungen sinnvoll sind, hängt vom Einzelfall ab! Ab wann lohnt sich eine osteopathische Narbenbehandlung?
Nach einer frischen Operation sollte die Wunde zuerst vollständig verheilt sein. Meist wird empfohlen, die Freigabe des Arztes abzuwarten. Danach kann eine Behandlung sinnvoll sein, aber auch Jahre später noch. Ein Zeitlimit gibt es nicht.
Besonders häufig kommen Menschen mit diesen Anliegen:
Narbenbehandlung nach Kaiserschnitt: Zug im Unterbauch, Rückenschmerzen oder Taubheitsgefühl rund um die Narbe
Beschwerden nach Bauch-OP: Spannungsgefühl, Verdauungsprobleme
Narbenschmerzen nach Unfall oder Sportverletzung: eingeschränkte Beweglichkeit
Beschwerden durch Narben Jahre nach der OP: Schmerzen ohne erkennbaren Auslöser
Was kann man selbst tun?
Bei verheilten äußeren Narben kann sanftes Massieren mit etwas Öl helfen, die Haut geschmeidig zu halten. Wichtig sind Bewegung, ausreichend Flüssigkeit und regelmäßiges Dehnen. Die genaue Vorgehensweise sollte aber mit Arzt oder Osteopath abgestimmt werden.
Häufige Fragen (FAQ)
Kann man Verwachsungen wirklich „lösen“?
Osteopathie kann die Beweglichkeit des Gewebes beeinflussen und Spannungen verringern. Ob sich Verwachsungen vollständig auflösen, lässt sich nicht versprechen. Viele Patienten berichten aber von einer spürbaren Entlastung.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Einige gesetzliche Krankenkassen bezuschussen osteopathische Behandlungen. Das ist je nach Kasse und Tarif verschieden. Am besten vorher nachfragen.
Wie lange dauert eine Sitzung?
Meist zwischen 45 und 60 Minuten.
Fazit:
Narben sind ein natürlicher Teil der Heilung, aber sie können die Beweglichkeit der Faszien einschränken, außen wie innen. Wer nach einer OP, einem Unfall oder einer Geburt Spannungen oder Schmerzen spürt, kann mit einer osteopathischen Untersuchung herausfinden, ob Narben eine Rolle spielen.Gerne können Sie einen Termin bei mir buchen..